Von Sebastian Schulke, IHK-Magazin 10/2026
Eine schmale Eisentreppe führt an einem gemauerten Kessel vorbei auf eine Empore, die von eisernen Pfählen getragen wird. Von dort geht es über eine weitere Stiege noch etwas höher. Früher hat es in dem Sudhaus gedampft und nach Malz gerochen, haben sich Braumeister um die Maische gekümmert. Doch die roten Backsteine, aus denen der Kessel vor über 130 Jahren gebaut wurde, sind kalt und mit weißer Farbe überstrichen.
Auch wenn der Duft von Malz hier und da noch dezent in der Luft liegt, Bier wird hier nicht mehr gebraut. Statt um Braukünste dreht sich alles um Kultur und Technik – die Brauerei Stegen am Ammersee hat sich in ein kulturelles und multimediales Zentrum verwandelt.
Traum vom „House of Music“
„Ich habe mir hier einen Traum erfüllt“, sagt Daniel Betz, der an dem alten Sudkessel vorbeiläuft und direkt dahinter den Konzert- und Theatersaal betritt. Auf der Bühne steht ein Bösendorfer-Flügel, daneben 4 Mikrofone, die noch eingerichtet werden müssen. Früher habe Betz immer von einem „House of Music“ geträumt. Dass sich dies nun in einer alten Brauerei realisiert habe, sei ein glücklicher Zufall.
Ein kurzer Blick zurück: Die Brauerei wurde 1892 von Ottmar Schreyegg erbaut, einem Braumeister aus dem 10 Kilometer entfernten Seefeld. 1923 übernahm Hacker die Privatbrauerei, die den Gebäudekomplex bis 1972 vor allem als Lager nutzte. 20 Jahre lang tat sich dann gar nichts. Die Brauerei verfiel immer mehr. Bis im März 1993 Paul Schneider, ein Rechtsanwalt aus Starnberg, das alte Gemäuer kaufte, aufwendig sanierte und einen Ort für Kultur, Gastronomie, Arbeiten und Wohnen daraus schuf, ohne den ursprünglichen Charakter der Brauerei zu verändern.
Betz feierte hier als Jugendlicher
Jazzabende, Kabarett, Ausstellungen, Lesungen und Theateraufführungen werden in dem alten Gemäuer inszeniert. Unten im Keller befindet sich in den Gewölben ein Kino, da, wo früher die Bierfässer gelagert wurden. Seit 2012 wird dort sogar wieder Bier gebraut, verbunden mit einem Wirtshaus und Biergarten.
Damit hat Daniel Betz allerdings nichts zu tun. Auch nicht mit den Wohnungen, die sich vorn in dem Gebäudekomplex befinden. Dafür jedoch mit den Konzerten, TV-Aufzeichnungen und -Produktionen sowie den legendären Partys auf dem Brauereigelände, zu denen Betz schon als Jugendlicher ging – und die er nun selbst veranstaltet.
Formate für TV oder Musiklabels
„Ich bin in Schondorf aufgewachsen, das sind nur ein paar Kilometer. Außerdem hat mein älterer Bruder Alexander Betz bereits Anfang der 2000er-Jahre, also nach der Sanierung der alten Brauerei, hier Räume angemietet und seine IT-Firma gegründet. Ich kenne mich mit Stegen, den Partys und der Brauerei also ganz gut aus.“
Seit 2020 ist Betz nun mit seinem Unternehmen in der Brauerei Stegen, der Groundlift Media GmbH, die für TV-Sender, Produktionsgesellschaften, Musiklabels und Künstler verschiedenste Formate produziert. Seinen älteren Bruder hat es nach München gezogen, er ist jedoch als Gesellschafter und Berater noch mit dabei.
Passgerechter Umbau
„Ein kleines Tonstudio hatte ich schon als Schüler in meinem Zimmer“, erzählt Daniel Betz. „Erst mit Musik, dann mit Hörbüchern und Hörspielen – später auch mit Produktionen fürs Fernsehen.“ Zuletzt befand sich sein Studio im Keller seines Hauses in Schondorf.